Andacht Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Hebräer 10, 24

Wohl jeder hat sie schon mehrfach vernommen: Die Stimme von einem Menschen, der etwas erkannt und darauf aufmerksam gemacht hat. Und wer freut sich nicht, wenn dann eine Geldbörse doch nicht an der Kasse liegengeblieben ist, eine Stufe noch rechtzeitig erkannt wurde, ein Sturz verhindert oder eine Kollision mit einem Fahrzeug gerade noch abgewendet werden konnte. Da zeigt sich im Alltäglichen, wie Menschen aufeinander achthaben. Und es kommt ja auch vor, dass man selbst gern aktiv wird, wenn es darum geht, jemanden vor Schaden zu bewahren, eine Not abzuwenden oder ganz simpel vor dem Fehltritt zu warnen. Oft werden aus solchen Eingriffen freundliche Begegnungen, ja menschlich angenehme Momente, vielleicht auch gute Gespräche. Helfen und sich helfen lassen – irgendwie hat man doch an beiden Erfahrungen Freude, oder? Wäre es doch nur immer so einfach!

Ein Christ weiß davon, dass auf dem Lebensweg jede Menge Anfechtungen lauern. Gefahren also, die den Weg zum Ziel erheblich stören und den Menschen zu Fall bringen wollen. Da meinst du, ganz fest im Glauben zu stehen, ein aktives Gebetsleben zu haben, regelmäßig Gottes Wort aufzunehmen, und dann folgt der Anfechtung eine unvorstellbare Verwüstung. Wir kennen das Wort „Wer meint, er stehe, mag zusehen, dass er nicht falle." (1. Korinther 10, 12)

Nun sind wir als Christen zu dieser wertvollen Gemeinschaft zusammengefügt, die sich Gemeinde nennt. Die Gemeinde – der Leib Christi. Christus – das Haupt der Gemeinde. Wir sind Geschwister in Christus und in diese besondere Gemeinschaft berufen. Während man sich in der Welt nur zu oft der Verantwortung für den Nächsten entziehen mag, soll es unter uns ganz anders zugehen. Ein fürsorgliches Mühen um die Schwester, den Bruder, den „Nächsten“. Hier geht es wieder um Helfen, aber auch darum, sich helfen zu lassen. Lasst uns aufeinander achthaben. Jeder ist mal Helfer und mal Hilfsbedürftiger. An dieser Stelle stehen wir häufig vor einem Problem. Auf andere achthaben geht noch. Aber will ich, dass Geschwister auf mich achthaben?

Einmal in meinem Leben wollte ich das nicht – inmitten einer großen Anfechtung. Statt das Gespräch zu suchen oder zuzulassen, ließ ich mich in eine andere
Gemeinde überweisen und verschwieg meine neue Adresse. Die mich also kannten, hatten keine Chance, mit mir zu sprechen oder mich zu begleiten. Sie konnten nicht mehr auf mich achten. Warum habe ich das getan? Es war der einfachste Weg, Gesprächen aus dem Weg zu gehen und einfach zu machen, wie und was ich für richtig gehalten habe, oder anders gesagt, was ich wollte. Ich habe keine Hilfe an mich herangelassen, weil ich meinte, keine Helfer zu brauchen. Ein fataler Irrtum! Nach wenigen Monaten verließ ich wegen eines weiteren Umzugs auch die neue Gemeinde und ließ mich in eine Gemeinde in einem anderen Bundesland überweisen. Dort trat ich nach wenigen Monaten ohne Angabe von Gründen aus. Auch da gab ich den Geschwistern keine Möglichkeit, mit mir darüber zu sprechen.

Es zeigt sich immer wieder, dass dieses „aufeinander achthaben“ nicht selten als eine unberechtigte Einmischung verstanden wird. Wenn man dieses Gefühl hat,
ergreift man unwillkürlich Maßnahmen, die das verhindern. Viel zu oft wird nicht die Hilfe gesehen, sondern der vermeintlich erhobene Zeigefinger. Es geht aber nicht um den erhobenen Zeigefinger, sondern um die Liebe, zu der wir berufen sind. Wenn wir in der Liebe bleiben, dann helfen wir auch einander und lassen uns helfen in Wort und Tat. Wie großartig ist es, wenn das Gebet gemeinsam füreinander stattfindet. Der Weg ist für alle nicht einfach – gewiss nicht. Aber wie groß ist dann die Freude, wenn das Gebet gehört und die Anfechtung gemeinsam überstanden ist. Die Liebe untereinander wächst und die guten Werke entstehen aus der Liebe.

Ich kann niemandem empfehlen, so leichtfertig mit dieser Gemeinschaft in der Gemeinde umzugehen, wie ich es damals getan habe. Der Weg zurück war keine Selbstverständlichkeit, sondern Barmherzigkeit des Herrn in ganzer Fülle. Wenn mich nach allen Erfahrungen jemand aus der Gemeinde anruft und sagt „Ich habe dich nicht gesehen. Wie geht es dir?“, dann freue ich mich über die Nachfrage, die zeigt, dass die Botschaft unseres Monatsspruchs bereits gelebt wird.

Etwas bewegt mich noch im Zusammenhang mit dem Bibelvers: Wie gut kennen wir uns? Sehen wir uns nur in Veranstaltungen und Gottesdiensten, oder besuchen wir einander? Brauchen wir Terminabsprachen oder sind wir spontan im Miteinander? Ist jeder zu jeder Zeit willkommen in unseren Wohnungen? Darf jeder wissen, wie ich lebe? Was denkst du? Möge der Herr uns zeigen, was wir ändern müssen, damit wir nach seinem Wohlgefallen aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Karsten H.

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