Andacht Oktober 2020

Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohl geht, so geht's auch euch wohl.
Jeremia 29, 7

Diese Botschaft des HERRN richtet Jeremia an die Ältesten, Priester und Propheten und an alle anderen, die den Angriff der Babylonier überlebt haben und von Nebukadnezar nach Babylonien verschleppt worden waren.

Vers 10 verrät uns den in Aussicht gestellten Zeitraum der Verbannung. Des HERRN Worte sind diese: „Denn ich sage euch: Die Babylonier werden siebzig Jahre herrschen, und wenn diese Zeit um ist, werde ich Erbarmen mit euch haben.

Diese lange Zeit ist es auch, die das Volk in der Verbannung nach dem Willen des HERRN überstehen soll. Sie sollen sich Häuser bauen, darin wohnen, Gärten anlegen und sich daraus ernähren. Und sie sollen Bestand haben, in dem sie heiraten und Kinder zeugen. Nach dem Willen des HERRN soll das Volk nicht kleiner werden, sondern wachsen. Sie sollen sich nicht von ihren Wahrsagern und ihren Propheten in die Irre führen lassen, sondern ihm vertrauen. Er stellt sein Erbarmen in Aussicht.

Für das gefangene Volk war das Wort der HERRN, das uns als Monatsspruch durch den Oktober begleitet, eine klare Wegweisung. Was sagt uns das Wort heute?

Meine Großmutter erzählte oft davon, wie sie zum Ende des Krieges ihren Hof und die Tiere in Pommern verlassen musste, und wie sie sich mit ihren Kindern und einem Pferdegespann einem Flüchtlingstreck anschloss. Der Weg führte über Stettin und Malchin bis nach Ratzeburg, wo die Flüchtlinge registriert und verteilt wurden.

Mein Vater erlebte diese Flucht im Alter von etwa 6 Jahren. Meine Mutter erlebte die Kriegsjahre vorwiegend in Eilenburg/Sachsen. Als wäre der Krieg nicht schon schlimm genug gewesen, so folgte nun auch noch die Teilung Deutschlands, die meinen Eltern die Rückkehr an die Orte ihrer Kindheit zunächst unmöglich machte. Vierzig Jahre war nicht nur ein Land geteilt, sondern ein ganzes Volk. Als Kind erlebte ich das Leid der Betroffenen hautnah mit. Wie groß war der Moment, als die Schwester meiner Mutter zu Besuch kommen durfte, weil sie in der DDR das Rentenalter erreicht hatte. Ich sah zwei Frauen, die sich vor Tränen kaum halten konnten.

Diese Generation kann sehr schnell nachvollziehen, was dieses Bibelwort meint. Als Kind dachte ich, man könnte doch einfach aufstehen, hingehen und die Grenze auflösen. Als Jugendlicher dachte ich, dass diese Grenze kein Ende haben wird. Ich habe es schlicht für unmöglich gehalten, dass es eine Wende geben könnte, bis 1989 das Wunder geschah. Und dann setzte ich mich ins Auto und fuhr nach Leipzig, um zu sehen, wie meine Großtante dort lebte. Eine gläubige Frau, die ihren Herrn Jesus liebte. Sie trällerte mit lautem Gesang die frohe Botschaft, mit Begleitung am Harmonium, durch das marode Mauerwerk auf die ebenso sanierungsbedürftige Straße. Das konnte keinem Anwohner entgehen, ich habe es selbst gehört. Und sie betreute ihre „Alten“, die oftmals zehn, zwanzig Jahre jünger waren. Sie betete mit Freude zum Herrn und begegnete den Menschen in dieser Weise. Der Haushalt war total bescheiden ausgestattet und doch mangelte es ihr an nichts. Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht´s auch euch wohl. Sie hat es verstanden, das im Alltag umzusetzen und hat am Ende erlebt, wie die Christen im Land von der Last eines Systems befreit wurden. Und auch meine Eltern konnten sich wieder auf den Weg machen, Orte ihrer Kindheit aufzusuchen, ja auch Verwandte und Freunde aus alten Zeiten zu besuchen.

Unsere Jugend weiß von dieser Zeit nur aus Erzählungen, so wie ich vom Krieg nur aus Erzählungen weiß. Inzwischen haben wir dreißig Jahre vereintes Deutschland. In diesem Land leiden wir nicht mehr unter einer Staatsgewalt. Ist das heute bedachte Wort nur für die Flüchtlinge, die bei uns zu Gast sind, von besonderer Bedeutung? Oder doch auch für uns? Oh ja! Wir leben in der „Gefangenschaft“ unseres längst überzogenen Wohlstandes, gezeichnet von Egoismus und Schnelllebigkeit und befinden uns in einer Zeit der gefährlich falsch verstandenen Freiheit. Denn vieles, was heute mit der Begründung der Freiheit durchgesetzt ist oder wird, ist Sünde vor dem Herrn und bedeutet Entfernung von Gott.

Das ist die Bedrohung der Christen heute mitten in unserem Land, unserer Stadt.

Unser Leben ist oftmals aufgeteilt auf mehrere Städte. Der Wohnort, der Arbeitsplatz und die Gemeinde sind nicht für alle in einer Stadt. Der Aktionsradius ist größer geworden. Und doch ist es uns anvertraut, an jedem Ort unseres Wirkens das Beste für „die Stadt“ zu suchen. Suchen ist immer eine Aktivität. Suchen heißt auch nicht, dass es immer gleich offensichtlich ist, was das Beste für die Stadt ist. Aber das Hinwenden zum Herrn im Gebet schafft Klarheit, deutliche Wegweisung und ganz sicher auch Veränderung. Durch die Fürbitte ändert sich nicht nur das Leben dessen, für den gebetet wird, sondern auch das Leben des Beters selbst, denn Gottes Barmherzigkeit wird deutlich erkennbar. Die dem Herrn wohlgefällige Fürbitte ist der Anfang jeder gnadenvollen Veränderung. Darum: Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn´s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl.

Karsten H.

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