Andacht Mai 2020

Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.
1. Petrus, 4,10

In der Lutherbibel 1984 und 2017 wurde dieses Wort in einem Abschnitt von 4,1 bis 4,11 unter die Überschrift „VOM LEIDEN UND LEBEN DES CHRISTEN“ gestellt. Die Elberfelder Bibel fasst den Abschnitt etwas weiter und stellt ihn unter die Überschrift „ERMAHNUNG ZUM HEILIGEN WANDEL IN VERFOLGUNGEN“. Leidet ein Mensch heute in unserem Land, weil er Christ ist? Erleben wir hier Verfolgung in Deutschland, weil wir Jesus als Herrn und Heiland bekennen? Nun mag jemand feststellen, dass wir gegenwärtig weder auf Grund unseres Glaubens leiden noch verfolgt werden. Doch hier ist Vorsicht geboten. Petrus beginnt seine Worte, die uns zu dem Monatsspruch hinführen, nämlich so: „Weil nun Christus im Fleisch gelitten hat, so wappnet euch auch mit demselben Sinn…“

An jedem neuen Tag sind von uns Entscheidungen gefordert. Wir merken das manchmal nicht. Aber es geht immer um die Wahl zwischen einem Leben mit Jesus und einem Leben nach den Vorstellungen dieser Welt. Will ich dem Herrn gefallen oder den Menschen? Möchte ich den bequemsten Weg gehen, oder nach dem Willen Gottes leben? Wer aber von sich sagt „Jesus Christus ist mein Herr“, der muss wissen, dass es hier auch um die Bereitschaft zum Leiden um Jesu Willen geht. Petrus weiß ja selbst, wie schnell man vor einer Entscheidung steht. Wie bitterlich weinte er, nachdem er nach Jesu Gefangennahme dreimal leugnete, Jesus zu kennen. Hatte er doch gerade noch gesagt „Herr, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.“ Nun, verfolgt werden wir hier in Deutschland nicht. Wir bekommen es aber immer wieder zu spüren: Wo wir den Willen Gottes in dieser Welt öffentlich über alles stellen, Jesus Christus als den Herrn bekennen, unser Handeln mit unserem Glauben begründen, erfahren wir in ganz unterschiedlichem Ausmaß nicht überall nur fröhliche Zustimmung, sondern auch Verspottung, Ausgrenzung und Demütigung. Wir sind ein Teil dieser Gesellschaft und wir sind als Nachfolger Jesu beauftragt, trotz aller unfreundlichen Nebenwirkungen unseren Glauben freimütig zu bekennen. So mühen wir uns dann um Menschen, die unser Herr zur Nachfolge einlädt. Das sind Menschen, die so fern von ihm sind, wie wir es auch einmal waren. Daran erinnert Petrus auch in dem Abschnitt: „Denn es ist genug, dass ihr die vergangene Zeit zugebracht habt nach heidnischem Willen, als ihr ein Leben führtet in Ausschweifung, Begierde, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichem Götzendienst.“ Das ist nicht mehr unser Ding. Das ist für uns nicht der Normalzustand. Wir merken, dass wir das unserem Herrn nicht antun können, der für uns am Kreuz gelitten hat. Was ist es doch für eine Gnade, die Sünde überhaupt erkennen zu können, um sich davon gleich abzuwenden? Was wir als wunderbare Befreiung empfinden, sorgt aber bei den Ungläubigen für Kopfschütteln und sogar für Entsetzen.

Die Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung wird in der Welt über alles gesetzt. Dazu gehören zum Beispiel auch die Freizügigkeit in der Sexualität und die als Recht angesehene Abtreibung. Deshalb werden wir als Christen eben auch in unserem Land immer wieder belächelt, verspottet und angefeindet, wenn wir Jesus Christus verkündigen und vom himmlischen Vater und seinem Willen sprechen und diese Dinge als Sünde benennen.

Petrus mahnt und ermutigt: „Seid nun besonnen und nüchtern im Gebet.“ An dieser Stelle wissen auch wir, dass wir noch nicht zu Ende gelernt haben. In Demütigungen und Anfeindungen besonnen zu bleiben und alles im Gebet „abzugeben“, ist nicht für jeden die erste Reaktion. Er sagt weiter: „Vor allen Dingen habt untereinander beharrliche Liebe, denn Liebe deckt der Sünden Menge zu. Christen sind keine Einzelkämpfer, aber es kommt immer wieder vor, dass das Miteinander in der Gemeinde irgendwie gestört ist. Jeder wird das schon mal erlebt haben.

Eine beharrliche Liebe trägt aber nichts nach. Wo Liebe ist, da ist Vergebung in Wort und Tat zu finden. Wir dürfen auch darüber nachdenken, welche Bedeutung unsere Wohnungstüren haben. Ist es eher eine Tür, durch die hereingebeten wird? Oder dient sie dem Zweck des ungestörten Rückzugs, gar nur als Tür zum Abschließen? „Seid gastfrei untereinander ohne Murren.“ fügt Petrus seinen Worten hinzu. Finden wir uns darin wieder? Wenn wir das alles erfasst haben, verstehen wir den Monatsspruch noch viel tiefgreifender. „Dient einander“: Schon Jesus sagte, als es um den Rangstreit unter den Jüngern ging: „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener“ (Markus 9,34). Dürfen wir aber „als gute Verwalter“ dienen, dann ist uns wohl etwas anvertraut, worauf es keinen Anspruch gibt und was vervielfältigt werden kann: die „vielfältige Gnade Gottes“. Ist es nicht so, dass uns die Gnade Gottes in der Fülle immer wieder ins Staunen versetzt hat? Es darf nicht nur beim Staunen bleiben, denn es gibt noch viel zu tun! Auch andere sollen staunen dürfen! Wir sind mit unserem Auftrag, Gottes Wort unter die Menschen zu bringen, noch nicht fertig. Petrus lässt in seinem Wort keinen Zweifel zu, dass „jeder mit der Gabe, die er empfangen hat“, zum Dienen gerüstet ist. Zum Dienen ist niemand zu gering. Jeder hat eine Gabe empfangen. Setzen wir, als Glieder am Leib Christi, alle diese anvertrauten Gaben ein, geben wir ein Zeugnis zur Ehre Gottes! Friede mit Euch!

Karsten H.

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