Kerzen am Piano am 25. November 2016

Kerzen am Piano„Kerzen am Piano“ war der Abend am 25. November wieder überschrieben. Wie jedes Jahr am Freitag vor dem ersten Advent kamen zahlreiche Besucher/innen, um sich mit Liedern und Texten bei wunderschönem Kerzenschein auf die Adventszeit einzustimmen. Wir danken allen Mitwirkenden herzlich für die Gestaltung dieser gefüllten gut eineinhalb Stunden! Ein inhaltlich wesentlicher Beitrag an diesem Abend war der von Volker Fischer selbst geschriebene und vorgetragene Text „Fremde“, den wir hier mit freundlicher Genehmigung des Autors abdrucken.

Steffen Kahl

Fremde

Jesus, was hast du alles aufgegeben, als du zu uns kamst?
Was hast du alles zurückgelassen auf dem Weg zu uns? Warum?
Du hast deine Heimat verlassen, und bist in die Fremde gegangen.
Wo du herkamst, war Frieden, Ruhe, Einheit, Geborgenheit, Wärme, Licht, Liebe.
Und all das hast du verlassen. Warum? Du hattest keine Not, die dich trieb. Oder doch?
Dein Vater hatte eine Berufung für dich, denn da war große Not.
Wir sind diese Not. Wir stecken fest in diesem Abgrund voller Schmerz und Leid.
Hier herrscht nur Gewalt, Schmerz und Zerfall. Alle Auswege haben wir verpasst, es gab keinen mehr.
Und so hast du diesen Auftrag angenommen, aus Liebe zu uns.
Du konntest es nicht ertragen, uns so verloren zu sehen.
Da hast du alles abgelegt, was himmlisch war.
Bist hinausgetreten in die Kälte, hast keine himmlischen Heerscharen mitgebracht.
Nur eins liesest du nicht zurück, das eine, welches dir die Kraft gab.
Die Verbindung zu deinem Vater. Die unerschöpfliche Quelle der Liebe, der Weisheit, der Gnade und der Macht.
Diese Welt in die du kamst, sollte eigentlich deine sein.
Doch sie war es nicht. Sie war verloren gegangen. Hier herrschte ein anderer Geist.
Du fandest nicht die vertraute Geborgenheit des Lichtes aus welchem du kamst.
Sondern Fremde, Leere, Verlassenheit, Enttäuschung, Einsamkeit, Schmerz,
Verzweiflung, Verwirrung, Verfolgung, Verlorenheit und Angst.
Kaum warst du hier, musstest du fliehen, in ein fernes Land.
Nur in Windeln gewickelt machten sich deine Eltern mit dir auf und zogen fort.
Man wollte dir nichts Gutes, sondern deinen Tod.
Die Welt wollte dich nicht, du warst eine Gefahr für den, der hier herrschte.
Doch wie kann das Licht erlöschen, wie kann die ewige Liebe von Hass je verschüttet werden?
Du warst der Fremde, der Unbekannte, der Andere.
Und doch verkörperst du alles, was Heimat bedeutet.
Die tiefe Geborgenheit, nach der wir uns sehnen.
Die bedingungslose Liebe, die allein unsere Rettung sein kann.
Du lebtest ein Leben unter uns, das anders war.
Es hatte einen tiefen Sinn, ein Ziel, das die Menschen so nicht kannten.
Du erzähltest davon, lebtest es vor. Zeigtest deinen Jüngern, was das eigentlich Wichtige ist.
Du dientest ihnen, anstatt dir dienen zu lassen. Sie konnten es greifen, mit allen Sinnen erfassen und mitfühlen.
Du schicktest sie aus, es dir gleich zu tun, es selbst zu erleben, damit sie es begreifen.
Eigentlich hätten sie es auch schon wissen können. Es stand alles geschrieben, war angekündigt.
Vor langer Zeit vorausgesagt. Geglaubt hatten sie das, was geschrieben stand, jedoch nicht.
Sie mussten es selbst erleben. Und selbst dann konnte sie es noch nicht begreifen.
Es hat von ihnen nicht Besitz ergriffen und wollte nicht bleiben. Doch du ließt den heiligen Geist bei Ihnen.
Er machte aus ihren Herzen und ihrem Verstand den Glauben.
Der Glaube an dich, unseren Retter, unseren Erlöser, unseren Heiland und Tröster.
Du bist es und heißt
Wunder-Rat,
Gott-Held,
Ewig-Vater,
Friede-Fürst.

Volker Fischer